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WIRTSCHAFTSMORGEN - DER HERR DES KLANGS

THE GRANDMASTER OF SOUND

The entrepreneur Holger Fromme buids hornspeaker systems in Lautertal, Germany - the royal class of acoustical principles is his passion. A full page article of Avantgarde Acoustic in the economic paper Wirtschaftsmorgen, Germany.

Der Unternehmer Holger Fromme baut in Lautertal bei Bensheim Hornlautsprecher - der Königsklasse der Akustik gilt seine Leidenschaft. Von Ruth Weinkopf

Mit Pink Floyd fängt alles an. Durch Zufall kommt Holger Fromme eines schönen Tages in den Genuss, "the Dark Side of the Moon" auf einem Klipsch-Eckhorn-Lautsprecher zu hören. Die Euphorie, die der perfekte Klang in dem Musikfan auslöst, lässt ihn mit Mitte 30 beruflich nochmals völlig neue Wege gehen. Fromme, damals in Diensten des US-Konzerns Motorola, beschließt, sein eigener Herr zu werden und verschreibt sich fortan mit Haut und Haaren einer Technologie, die auf dem Patent des amerikanischen Ingenieurs und Unternehmers Paul W. Klipsch beruht und die jeden qualitativ gut bespielten Tonträger zu einem Livekonzert-Erlebnis macht: dem Hornlautsprecher mit seinem trichterförmigen Schallkanal.

Der gebürtige Bensheimer, von Haus aus studierter Wirtschaftswissenschaftler, stürzt sich mit Akribie in ein neues Fachgebiet, um der Technik des Horns auf die Spur zu kommen. Über die Bibliothek der Uni Mannheim lässt sich Fromme von der Akustischen Universität Dresden entsprechende Fachliteratur kommen - was allerdings nicht so schnell wie ersehnt zu realisieren ist. Es sollte mehr als ein Jahr dauern, bis er die Bücher aus der damaligen DDR in der Hand hat.

Holger Fromme schreibt ein Computerprogramm zur Berechnung des Horns, sondiert den damals von Unternehmen wie Sony und Marantz dominierten deutschen Markt für qualitativ hochwertige Hi-Fi-Produkte und kommt zu der eher niederschmetternden Erkenntnis, dass Hornlautsprecher absolut nicht angesagt sind - weil sie zu teuer und zu aufwendig zu produzieren sind.

Ergo baut sich Fromme, für den ein "fetter Sound" erklärtermaßen einfach Lebensfreude ist, die "Königsklasse der Lautsprecher" erst einmal fürs eigene Vergnügen. Der Gedanke, eines Tages daraus ein florierendes Geschäft zu machen, lässt den Sohn eines erfolgreichen Granit-Händlers trotzdem nicht los. 1991 geht der Musikfan in die Offensive: Mit Matthias Ruff, einem Kumpel aus Mannheimer Studientagen, stellt er seinen Hornlautsprecher auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vor. Der Lkw ist gemietet, der Messestand improvisiert, der Status entspricht nicht dem regulärer Aussteller - doch das Publikum kommt zahlreich. "Wir durften nur reden, nicht vorführen", erzählt Fromme und die Erinnerung an zehn ebenso spannende wie strapaziöse Tage lässt ihn heute noch schmunzeln: "Wir haben uns die Zungen dick geredet."
Im selben Jahr gründet Fromme die Avantgarde Acoustic GmbH, die zu 75 Prozent ihm und zu 25 Prozent dem väterlichen Unternehmen gehört. Zufälle mit höchst erfolgreichem Ausgang sind der rote Faden seiner zweiten Karriere: Zufällig kommt Fromme, der fließend portugiesisch spricht, in Kontakt mit einem Werkzeugbauer aus einem kleinen Dorf in Portugal, der genau die Hörner liefert, die der Qualitätsfanatiker in Lautertal bei Bensheim braucht. Zufällig fällt Fromme ein Artikel über die teuerste Duftkomposition der Welt, die der Herrscher von Oman kreieren ließ, in die Hände. Die Entstehungsgeschichte von "Amouage" bestätigt den Unternehmer in seinem Credo, nur das Beste haben zu wollen. Zufällig wird eine kleine PR-Agentur aus Schwaben just in der Zeit auf das Familienunternehmen aus dem Odenwald aufmerksam, als Fromme und sein Team beschließen, sich offensiver und professioneller als bisher in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

2009 schaltet Avantgarde Acoustic den Turbo zu und perfektioniert Produkt sowie Werbung. "Wir haben an den Hörnern jede Schraube umgedreht", sagt Fromme - und jede Menge Spaß gehabt in einem Workshop für Kommunikation.

Selbst Musikbanausen dürfte angesichts der Klagqualität der Hornlautsprecher das Herz aufgehen. Die mindestens tausendmal gehörte Lieblings-CD gibt plötzlich nie gehörte Tonfolgen preis, der Ausstellungsraum mutiert zum Konzertsaal mit perfekter Akustik. Das Klagerlebnis hat allerdings seinen Preis, der zwischen 13 500 und 100 000 Euro liegt. Doch selbst in der obersten Preiskategorie verkauft Avantgarde Acoustic jährlich rund 50 Lautsprecherpaare weltweit.
Fromme kennt viele seiner Kunden persönlich. Da ist der Schiffseigner, der ein Stück Edelholz nach Lauterbach schickt, damit die Lautsprecherabdeckung perfekt zur Jachtvertäfelung passt. Da ist aber auch die ältere Dame, die viel Geld in das Flaggschiff von Avantgarde Acoustic investiert, weil sie nach dem Tode ihres Mannes das schöne Ritual, einmal im Jahr zu einem ganz besonderen Konzert zu reisen, nicht mehr pflegen kann.

Seit kurzem erweitert ein Verstärker die Produktpalette - ein 20 Kilo schwerer Aluminiumblock für 20 000 Euro. Ein intelligenter Lautsprecher, etwas einfacher gestaltet und mit einem Preis von unter 10 000 Euro erschwinglicher, ist in Planung. Denn der studierte Kaufmann kennt die größten Risiken seines Geschäftes sehr wohl: die technische Schnelllebigkeit der Produkte und die doch begrenzte Zahl von potenziellen Kunden im Hochpreis-Segment.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 23.05.2012

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